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28 August, 2026

Glasfaser-Pigtails: Aufbau, Auswahl und Einsatz in Spleißboxen

Beitragsbild: KI-generierte Illustration. Die dargestellte technische Ausführung dient der Veranschaulichung.

Technik-Ratgeber

Glasfaser-Pigtails verbinden fest verlegte Fasern mit den Steckanschlüssen einer Spleißbox oder eines Verteilers. Damit diese Verbindung funktioniert, müssen Fasertyp, Stecker, Schliff, Kupplung, Anzahl und Länge zusammenpassen. Dieser Ratgeber führt Sie durch die Auswahl und zeigt, welche Angaben vor Bestellung und Spleißarbeit geklärt sein sollten.

Kurzdefinition: Ein LWL-Pigtail ist eine kurze optische Faser mit einem werkseitig konfektionierten Steckverbinder an einem Ende und einem unkonfektionierten Faserende am anderen. Das freie Ende wird üblicherweise an die Faser eines Installationskabels gespleißt.

Was ist ein Glasfaser-Pigtail und wie ist es aufgebaut?

„LWL“ steht für Lichtwellenleiter. Beim Pigtail trägt eine Seite einen fertig montierten und geprüften LWL-Stecker. Auf der anderen Seite bleibt die Faser für die weitere Verarbeitung frei. Zum Aufbau gehören die Glasfaser mit Kern und 125-µm-Mantelglas, schützende Beschichtungen beziehungsweise eine Pufferung sowie der Steckverbinder mit Ferrule und Knickschutz. Der genaue Aufbau ist produktabhängig.

Anders als ein robusteres Verlege- oder Patchkabel ist ein typisches Pigtail für die geschützte Ablage im Gehäuse vorgesehen. Es bildet den Übergang von der dauerhaft gespleißten Installationsfaser zur lösbaren Steckverbindung an der Front eines Verteilers.

Wozu dient ein Pigtail in Spleißbox und Verteiler?

Das Installationskabel wird in der Spleißbox abgefangen und seine Fasern werden zur Spleißkassette geführt. Dort wird jede benötigte Faser mit dem freien Ende eines passenden Pigtails verbunden. Der Stecker des Pigtails sitzt in einer Kupplung an der Frontplatte. Von außen kann anschließend ein Patchkabel gesteckt und bei Bedarf ausgetauscht werden, ohne den dauerhaften Spleiß zu öffnen.

Planungshinweis: Die Anzahl der Pigtails folgt der Zahl der tatsächlich abzuschließenden Fasern. Eine als „Duplex“ bezeichnete Kupplung kann zwei Steckplätze enthalten. Portzahl, Kupplungszahl und Faserzahl dürfen deshalb nicht ohne Prüfung gleichgesetzt werden.

Pigtail oder Patchkabel?

KriteriumLWL-PigtailLWL-Patchkabel
EndenEin Stecker, ein freies FaserendeStecker an beiden Enden
VerbindungFreies Ende wird dauerhaft gespleißtBeide Enden werden lösbar gesteckt
Typischer OrtGeschützt in Spleißbox, Kassette oder VerteilerZwischen Patchfeldern, Kupplungen und Geräten
AustauschErfordert Öffnen und erneutes SpleißenNach Lösen der Stecker austauschbar
AuswahlfokusFaser, Stecker, Schliff, Pufferung, Länge, AnzahlBeide Steckerseiten, Faser, Schliff, Kabelaufbau, Länge

Was geschieht beim Fusionsspleißen?

Beim Fusionsspleißen werden das freie Pigtailende und die Faser des Installationskabels vorbereitet. Fachpersonal entfernt in der vorgesehenen Länge Pufferung und Beschichtung, reinigt die Glasfasern und trennt sie mit einem Präzisionsschneider, dem Cleaver. Das Spleißgerät richtet die vorbereiteten Faserenden aus und verschmilzt das Glas mit einem Lichtbogen. Danach wird die Verbindung mit einem Spleißschutz versehen und spannungsfrei in der Kassette abgelegt.

Zum Abschluss gehört eine dokumentierte Sicht- und Messprüfung nach dem für das Projekt festgelegten Verfahren. Die vom Spleißgerät geschätzte Dämpfung ersetzt nicht in jedem Projekt die geforderte Streckenmessung. Spleißen, Reinigung und Prüfung gehören in die Hände entsprechend ausgebildeter Personen.

Fasertypen: OS2, OM3 und OM4 richtig zuordnen

Der Pigtail-Fasertyp muss zur Installationsfaser, zur übrigen passiven Strecke und zur aktiven Optik passen. OS2 bezeichnet eine Singlemode-Kategorie. Die Kurzangabe 9/125 µm steht gebräuchlich für Singlemode-Faser mit ungefähr 9 µm Kerndurchmesser beziehungsweise passender Modenfeldangabe und 125 µm Mantelglas. Der konkrete Faserstandard und das Datenblatt bleiben maßgeblich.

OM3 und OM4 sind laseroptimierte Multimode-Kategorien mit 50/125 µm. Beide besitzen nominell 50 µm Kern- und 125 µm Manteldurchmesser; OM4 stellt höhere Anforderungen an die modale Bandbreite als OM3. Daraus folgt nicht, dass OM4 ohne Prüfung in jede bestehende OM3-Strecke eingesetzt werden sollte. Für einen Abschluss wird die vorhandene Kategorie durchgängig dokumentiert.

OS2 · Singlemode

Typisch für längere Strecken, Gebäude- und Campusverbindungen sowie Singlemode-basierte Netze. Übliche Kurzangabe: 9/125 µm.

OM3 · Multimode

50/125-µm-Faser für passende bestehende oder geplante Multimode-Anwendungen. Transceiver und Linkplanung mitprüfen.

OM4 · Multimode

Ebenfalls 50/125 µm, mit höherer spezifizierter modaler Bandbreite als OM3. Die gesamte Strecke passend auslegen.

OS2 beschreibt eine Verkabelungs- beziehungsweise Kabelkategorie, nicht jede Eigenschaft der darin verwendeten Faser. Bei Pigtails können beispielsweise Fasern nach ITU-T G.652.D oder biegeunempfindlichere Ausführungen nach ITU-T G.657.A1 beziehungsweise G.657.A2 relevant sein. Vor allem bei engen Ablageradien und Spleißen an vorhandene Fasern sind die konkrete Faserspezifikation, das Produktdatenblatt und die Projektvorgaben zu prüfen.

Eine ausführlichere Einordnung bietet der Ratgeber LWL-Kabel nach Fasertyp auswählen.

LC, SC und weitere Steckverbinder sowie UPC oder APC

LC und SC sind in aktuellen Verteilern häufig anzutreffen. LC ist kompakter und arbeitet mit einer 1,25-mm-Ferrule; SC verwendet eine 2,5-mm-Ferrule. Weitere Bauformen wie E-2000/LSH, ST oder FC können in Bestandsanlagen und speziellen Projekten relevant sein. Die Auswahl richtet sich nach der tatsächlich vorhandenen Kupplung und Gegenstelle.

Eine vertiefende Einordnung der Schnittstellen bietet der Ratgeber LWL-Stecker, Bauformen und Schliffe im Überblick.

UPC und APC bezeichnen die Stirnflächengeometrie

Bei UPC wird die Ferrulenstirnfläche für physischen Kontakt konvex und zur Faserachse nicht schräg poliert. APC besitzt eine angewinkelte Kontaktfläche, üblicherweise mit 8°-Winkel. Die Winkelgeometrie lenkt Rückreflexionen anders als UPC. Die benötigte Ausführung richtet sich nach der Gegenstelle und dem optischen System.

UPC und APC dürfen nicht direkt miteinander verbunden werden. Die Flächen treffen geometrisch nicht korrekt aufeinander. Das kann Einfügedämpfung und Reflexion verschlechtern und bei Kontakt die Endflächen beschädigen. Grün wird häufig für APC und Blau häufig für UPC verwendet; Farbe allein ist jedoch kein ausreichender Kompatibilitätsnachweis. Bezeichnung, Datenblatt, Kupplung, Gerät und Messadapter müssen übereinstimmen.

Was bedeuten 900 µm, Länge und Pigtail-Sets?

Eine 900-µm-Ausführung beschreibt den Außendurchmesser der gepufferten Einzelfaser, nicht den Glasfaserkern. Innerhalb dieser Abmessung liegen die 125-µm-Glasfaser und ihre Beschichtungen. Ob es sich um eine feste oder andere Pufferkonstruktion handelt und wie sie abgesetzt wird, ist dem Produktdatenblatt zu entnehmen.

Einzeln verpackte Pigtails sind sinnvoll, wenn nur wenige Fasern benötigt werden, Sonderkombinationen vorkommen oder Ersatzteile getrennt bevorratet werden. Farbig sortierte Sets erleichtern bei mehreren Fasern die eindeutige Zuordnung, sofern Farbfolge und Projektdokumentation zusammenpassen. Ein Set ersetzt keine Belegungsplanung.

Die Länge muss für den Weg von Kupplung über Kassettenführung bis zur Spleißstelle plus geordnete Reserve reichen. Zu kurze Pigtails erzeugen Zug; unnötige Überlänge erschwert die Ablage. Biegeradius und Ablagevorgaben der konkreten Komponente sind einzuhalten. Grundlagen dazu finden Sie im Ratgeber Biegeradius bei Glasfaser.

Auswahlmatrix für Fasertyp, Steckverbinder und Schliff

PrüfpunktAuswahlPassend, wenn …Nicht allein ableiten aus …
FasertypOS2Installationsfaser und System Singlemode/OS2 sindgelber Mantelfarbe
FasertypOM3 oder OM4Strecke und aktive Optik zur dokumentierten Multimode-Kategorie passenAqua- oder Violettfarbe
SteckerLC, SC oder projektspezifischBauform und Kupplung an der Front übereinstimmengewünschter Packungsdichte allein
SchliffUPCGegenstelle und System UPC verlangenblauer Gehäusefarbe allein
SchliffAPCGegenstelle und System APC verlangengrüner Gehäusefarbe allein
AnzahlEinzeln oder Setjede abzuschließende Faser eindeutig zugeordnet istDuplex-Kupplungszahl ohne Portprüfung

Pigtail passend zur Spleißbox auswählen

  1. Bestand aufnehmen: Installationsfaser, aktive Optik, vorhandene Kupplungen und Dokumentation prüfen.
  2. Fasertyp festlegen: OS2, OM3 oder OM4 passend zur gesamten Strecke angeben; nicht nur „Singlemode“ oder „Multimode“ notieren.
  3. Stecker bestimmen: LC, SC oder eine andere Bauform passend zur Frontplatte und Kupplung wählen.
  4. Schliff durchgängig prüfen: UPC oder APC an Pigtail, Kupplung, Patchkabel, Gerät und Messmitteln abgleichen.
  5. Fasern zählen: belegte Fasern und geplante Reserve getrennt dokumentieren; Verpackung und Farbfolge festlegen.
  6. Länge und Pufferung prüfen: Kassettenweg, Reserveablage, Biegeradius und die geforderte 900-µm-Konstruktion klären.
  7. Lieferumfang bestätigen: Bei einer spleißfertigen Box prüfen, welche Pigtails, Kupplungen und Spleißschutze tatsächlich enthalten sind.

Vorhandene Ausführungen können Sie in der Kategorie LWL-Spleißboxen und Baugruppen prüfen. Für Pigtails in projektbezogenen Ausführungen steht die Pigtail-Anfrage bei abatec zur Verfügung.

Typische Planungs-, Bestell- und Installationsfehler

  • Fasertyp und Faserklasse werden nur anhand der Farbe angenommen.
  • LC oder SC stimmt, UPC und APC werden aber verwechselt.
  • Der Pigtail passt zur Kupplung, nicht jedoch zu Patchkabel oder Gegenstelle.
  • Die Anzahl der Duplex-Kupplungen wird mit der Faserzahl gleichgesetzt.
  • Pigtails werden zu kurz bestellt oder ohne Ablageweg und Reserve geplant.
  • Die Bedeutung von 900 µm wird mit Kern- oder Mantelglasdurchmesser verwechselt.
  • Farbige Sets werden ohne dokumentierte Farb- und Portzuordnung eingesetzt.
  • Faserenden oder Ferrulen werden offen abgelegt, berührt oder ungereinigt gesteckt.
  • Spleißschutz, Biegeradius, Zugentlastung oder Messkonzept fehlen in der Arbeitsplanung.

Checkliste für Bestellung oder Projektanfrage

  • Einsatzort und Spleißbox beziehungsweise Verteiler bezeichnet
  • Fasertyp und Faserklasse: OS2, OM3, OM4 oder andere eindeutig dokumentiert
  • Steckverbinder und Kupplung: zum Beispiel LC oder SC
  • Schliff: UPC oder APC
  • Anzahl der abzuschließenden Fasern und gewünschte Reserve
  • Pigtail-Länge und Pufferkonstruktion, zum Beispiel 900 µm
  • Einzelverpackung oder farblich sortiertes Set samt Farbfolge
  • Vorhandene Gegenstellen, Patchkabel und aktive Komponenten
  • Gewünschte Prüf- und Dokumentationsanforderungen
  • Benötigte Kupplungen, Spleißschutz und weiterer Lieferumfang
  • Menge, Termin und projektspezifische Kennzeichnung

FAQ zu Glasfaser-Pigtails

Ist ein Pigtail dasselbe wie ein Patchkabel?

Nein. Ein Pigtail hat nur an einem Ende einen Stecker und wird am freien Ende gespleißt. Ein Patchkabel besitzt an beiden Enden Stecker und bildet eine lösbare Verbindung.

Kann ein OS2-Pigtail mit OM3 oder OM4 gespleißt werden?

Für eine geplante Verbindung sollten Faserart und Faserklasse zur Strecke passen. Singlemode und Multimode werden nicht als reguläre, kompatible Kombination geplant. Prüfen Sie außerdem die aktive Optik.

Was bedeutet 9/125 µm beziehungsweise 50/125 µm?

Die Angaben beschreiben gebräuchlich Kern- und Mantelglasabmessungen. OS2 wird als 9/125-µm-Singlemode, OM3 und OM4 als 50/125-µm-Multimode eingeordnet. Bei Singlemode sind die konkrete Fasernorm und Modenfeldangaben zu beachten.

Was ist mit OM1, OM2 und OM5?

OM1 ist eine ältere Multimode-Kategorie mit 62,5/125 µm. OM2 verwendet 50/125 µm und kommt weiterhin in bestehenden Installationen vor. OM5 ist eine 50/125-µm-Wideband-Multimode-Kategorie für dafür geplante Systeme. Das Pigtail muss zur vorhandenen Faserklasse und zur geplanten Strecke passen; die Kategorie darf nicht allein anhand einer Farbe bestimmt werden.

Darf ein UPC-Pigtail in eine APC-Gegenstelle gesteckt werden?

Nein. Die unterschiedlichen Stirnflächengeometrien sind nicht für eine direkte Paarung vorgesehen. Pigtail, Kupplung und Gegenstecker müssen denselben vorgesehenen Schliff besitzen.

Welcher Steckverbinder ist besser: LC oder SC?

Keiner ist pauschal besser. LC ermöglicht eine kompaktere Bestückung, SC ist größer. Die vorhandenen Ports, Kupplungen, Handhabung und Projektdokumentation geben die Auswahl vor.

Wie viele Pigtails werden für eine Spleißbox benötigt?

In der Regel eines je abzuschließender Faser. Prüfen Sie die tatsächliche Portbelegung und den Lieferumfang der Box; Bezeichnungen wie Duplex können sonst zu Fehlzählungen führen.

Kann man ein Pigtail selbst spleißen?

Die Arbeit erfordert geeignete Präparations-, Spleiß- und Messgeräte sowie Fachkenntnis im sicheren Umgang mit Glasfaserresten. Sie sollte durch entsprechend geschultes Personal erfolgen.

Sind Pigtails im Shop einzeln erhältlich?

Eine eigenständige Pigtail-Kategorie ist derzeit nicht öffentlich ausgewiesen. Prüfen Sie spleißfertige Spleißboxen im Shop oder stimmen Sie einzelne Pigtails und Sets projektbezogen mit abatec ab.

Nächste Schritte für Ihre Spleißlösung

Prüfen Sie zuerst Fasertyp, Stecker, Schliff und Faserzahl. Für Standardbaugruppen können Sie die aktuelle Shopkategorie nutzen; abweichende Pigtail-Ausführungen lassen sich mit den Angaben aus der Checkliste technisch abstimmen.

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