Eine MTP/MPO-Verkabelung beginnt nicht beim Kabel. Erst wenn Transceiver-Variante, Datenrate, Topologie und Fasertyp feststehen, lassen sich Faserzahl, Base-System, Steckergeschlecht und Polarität belastbar bestimmen.
MTP/MPO-Verkabelung planen: Was muss zuerst feststehen?
Beginnen Sie mit den aktiven Ports an beiden Enden. Notieren Sie Hersteller, vollständige Transceiver-Bezeichnung, Formfaktor, optische Variante, unterstützten Port- oder Breakout-Modus und vorgesehene Reichweite. Kürzel wie „QSFP28“ beschreiben zunächst einen Formfaktor; sie sagen allein noch nicht, ob LC-Duplex, MTP/MPO, Multimode oder Singlemode gebraucht wird.
Danach folgen Topologie und Bestand: Soll eine Punkt-zu-Punkt-Verbindung entstehen oder eine strukturierte Strecke mit Panels? Welche Faser liegt bereits? Welche Steckgesichter, Adapter, Kassetten und Patchkabel sind vorhanden? Erst dann werden Faseranzahl, Base-System, Steckergeschlecht und Polaritätsmethode festgelegt.
LC-Duplex oder MTP/MPO?
LC-Duplex führt typischerweise zwei Fasern: eine für Senden (Tx), eine für Empfangen (Rx). Das ist charakteristisch für viele serielle oder wellenlängenmultiplexierte Optiken, etwa 10GBASE-SR/LR sowie bestimmte 40G- und 100G-Varianten.
MPO ist die genormte Mehrfaser-Schnittstellenfamilie. MTP ist eine geschützte, kompatible Ausführung dieser MPO-Schnittstelle. Im Sprachgebrauch des Shops verwenden wir „MTP/MPO“, wenn das Systemprinzip gemeint ist; bei konkreten MTP-Produkten bleibt die Markenbezeichnung erhalten.
Parallele Optiken verteilen das Signal auf mehrere räumliche Lanes. Ein 40G-SR4- oder 100G-SR4-Link nutzt vier Sendefasern und vier Empfangsfasern – insgesamt acht aktive Fasern – häufig in einer 12-Faser-MTP/MPO-Schnittstelle.
Transceiver, Anschluss, Faseranzahl und Fasertyp zusammendenken
Die Transceiver-Variante legt die optische Schnittstelle fest. „SR“ steht häufig für kurze Multimode-Strecken, „LR“ häufig für Singlemode – doch zusammengesetzte Bezeichnungen wie SR4, PSM4, CWDM4 oder BiDi beschreiben unterschiedliche Lane- und Wellenlängenkonzepte. Deshalb dürfen ähnliche Datenraten nicht automatisch gleich verkabelt werden.
Bei Paralleloptiken können dieselben acht Lanes sowohl über Multimode (zum Beispiel SR4) als auch über Singlemode (zum Beispiel PSM4/PLR4) geführt werden. Gleiches Steckgesicht bedeutet daher nicht gleicher Fasertyp.
Direkte Verbindung oder strukturierter Interconnect?
Bei der direkten Verbindung führt ein Patch- oder Fanoutkabel ohne Zwischenpanel von Port zu Port. Das reduziert die Zahl der Übergänge und eignet sich für überschaubare, wenig veränderliche Verbindungen. Wartung und Umzüge greifen allerdings unmittelbar in die Gerätekabel ein.
Ein strukturierter Interconnect verwendet definierte Übergabepunkte in Panels, Patch- und Adaptermodulen oder Kassetten. Das verbessert Dokumentation, Portverwaltung und Austauschbarkeit. Jeder zusätzliche Steckübergang muss jedoch mechanisch, polaritätsseitig und im Dämpfungsbudget berücksichtigt werden.
MTP Base-8, Base-12, Base-16 und Base-24 einordnen
Das Base-System beschreibt die Fasergruppierung der passiven Infrastruktur. Es ist keine pauschale Leistungs- oder Geschwindigkeitsklasse.
Base-8
Acht Fasern passen effizient zu SR4/PSM4-Verbindungen mit vier Lanes je Richtung. In einer reinen Base-8-Struktur entstehen bei diesen Anwendungen keine ungenutzten Fasern.
Base-12
Zwölf Fasern sind für sechs LC-Duplex-Kanäle gut nutzbar. Bei SR4 werden in einer 12-Faser-Schnittstelle typischerweise acht Fasern genutzt; vier Positionen bleiben ungenutzt.
Base-16
Sechzehn Fasern passen zu acht parallelen Lanes je Richtung, etwa bestimmten SR8-/PSM8-Optiken. MTP-16 besitzt eine andere Ferrulengeometrie als MTP-8/12.
Base-24
24 Fasern bündeln zwölf Duplexkanäle oder zwei Base-12-Gruppen. Ältere SR10-Anwendungen nutzen davon 20 Fasern. Die konkrete Belegung bleibt anwendungsabhängig.
MTP Male und MTP Female: Pins richtig zuordnen
Male bezeichnet bei MTP/MPO einen Steckverbinder mit zwei Führungsstiften; Female besitzt die passenden Führungsbohrungen. Eine Verbindung benötigt eine gepinnte und eine ungepinnte Seite. Zwei Male- oder zwei Female-Stecker dürfen nicht direkt miteinander gekoppelt werden.
Transceiver-Ports sind typischerweise gepinnt. Das unmittelbar am Transceiver eingesetzte Patch- oder Fanoutkabel benötigt deshalb in der Regel einen Female-Stecker. In strukturierten Strecken können rückseitig gepinnte Kassetten und Male-Male-Trunks vorkommen. Bestellen Sie Male/Female daher immer pro Segment und anhand der Gegenstellen – nicht nach einer allgemeinen Faustregel.
MTP/MPO-Polarität A, B und C: Die gesamte Strecke zählt
Die Polarität sorgt dafür, dass der Sender am einen Ende den Empfänger am anderen Ende erreicht. Bei Mehrfaserstrecken reicht es nicht, nur ein Trunkkabel als Typ A, B oder C zu kennzeichnen: Kassetten, Adapterorientierung, Patchkabel, Fanouts und eventuelle Duplex-Flips wirken gemeinsam.
- Typ A: gerade Faserzuordnung, Position 1 auf 1, 2 auf 2 und so weiter.
- Typ B: umgekehrte Zuordnung, bei 12 Fasern beispielsweise 1 auf 12, 2 auf 11.
- Typ C: paarweise gekreuzt, beispielsweise 1 auf 2 und 2 auf 1.
Diese Kabeltypen sind Bausteine unterschiedlicher End-to-End-Methoden. Keine Methode ist ohne Kenntnis der übrigen Strecke automatisch „richtig“. Eine direkte Verbindung zweier paralleler 8-/16-Faser-Transceiver wird häufig mit einer Typ-B-Zuordnung umgesetzt; ein 20-Faser-SR10-Szenario im ausgewerteten Handbook verwendet dagegen Typ A. Das zeigt, warum die Portbelegung entscheidend bleibt.
40G-/100G-Migration und weitere Breakout-Szenarien
4 × 10G auf 40G
Ein 40G-QSFP+-SR4 kann über ein 8-Faser-MTP/MPO-auf-4×LC-Duplex-Fanout vier 10G-SFP+-SR-Kanäle anbinden. Für Singlemode ist ein entsprechendes PLR4-/LR-Breakout-Szenario möglich, wenn Geräte und Transceiver diese Betriebsart unterstützen. OM3/OM4-SR und OS2-LR dürfen nicht gemischt werden.
4 × 25G auf 100G
Ein 100G-QSFP28-SR4 lässt sich in geeigneter Gerätekonfiguration auf vier 25G-SFP28-SR-Verbindungen aufteilen; die Singlemode-Variante verwendet PSM4 zu vier 25G-LR-Pfaden. Breakout-Unterstützung, FEC- und Portkonfiguration sind herstellerspezifisch zu prüfen.
8-Lane- und 2×-Breakouts
Das SAMM-Handbook dokumentiert außerdem 16-Faser-Szenarien von 200G/400G/800G-SR8 beziehungsweise PSM8/DR8 auf acht kleinere LC-Kanäle sowie 2×MTP-8-Aufteilungen. Diese Varianten gehören nur dann in die Planung, wenn die exakten High-Speed-Transceiver und Switch-Modi bereits feststehen.
Welche Komponenten passen zu welcher Aufgabe?
MTP/MPO-Patchkabel
Für direkte Paralleloptik oder kurze Verbindungen zwischen Ports und Patchfeldern. Faserzahl, Typ A/B/C, Male/Female, Fasertyp und Steckerausführung müssen vollständig spezifiziert werden.
MTP/MPO-LC-Fanout
Teilt parallele Lanes auf einzelne LC-Stecker auf. Geeignet für Breakout/Migration und definierte Übergänge – nur mit passender Belegung und Polarität.
Module und Kassetten
Setzen einen MTP/MPO-Trunk auf LC-Duplex-Ports um und schaffen geschützte Übergabepunkte. Im Shop sind derzeit Base-8- und Base-12-MTP-LC-Verteilmodule in OS2, OM3 und OM4 gelistet.
Patch- und Adaptermodule
Führen Steckverbinder ohne Faserumsetzung durch und unterstützen modulare Patchfelder. Aktuell ist unter anderem ein LC-Patchmodul mit LC-Quad-Adaptern gelistet.
Panels und Gehäuse
Nehmen Module auf, organisieren Kabelwege und definieren Patchpunkte. Die aktuelle Kategorie enthält modulare 19-Zoll- und UHD-Panels.
Systemübersicht
Die Hauptkategorie bündelt die derzeit gelisteten Patchkabel, Module und Panels. Produktnamen im Artikel werden bewusst nicht als universelle Kompatibilitätszusage verwendet.
Auswahlmatrix: vom Transceiver zur Verbindung
Die folgende Tabelle ist eine Orientierungshilfe auf Basis der ausgewerteten Herstellerunterlagen. Die konkrete Transceiver-Spezifikation und die Dokumentation des Geräteherstellers bleiben maßgeblich.
| Übertragungsrate | Beispielhafter Transceiver | Signalart | Steckverbinder | Genutzte Faseranzahl | Typischer Fasertyp | Passende Verbindungslösung |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 10G | SFP+ SR | seriell | LC-Duplex | 2 | OM3/OM4 | LC-Duplex A-auf-B |
| 10G | SFP+ LR | seriell | LC-Duplex | 2 | OS2 | LC-Duplex A-auf-B |
| 25G | SFP28 SR / LR | seriell | LC-Duplex | 2 | OM3/OM4 (SR) / OS2 (LR) | LC-Duplex; beim Breakout Teil eines passenden Fanouts |
| 40G | QSFP+ SR4 | parallel, 4 Lanes | 12F MTP/MPO | 8 | OM3/OM4 | 8-/12F-MTP/MPO-Direktstrecke oder 4×LC-Fanout |
| 40G | QSFP+ LR4 | seriell/WDM | LC-Duplex | 2 | OS2 | LC-Duplex; keine SR4-Fanout-Lösung |
| 100G | QSFP28 SR4 | parallel, 4 Lanes | 12F MTP/MPO | 8 | OM3/OM4 | 8-/12F-MTP/MPO-Direktstrecke oder 4×LC-Fanout |
| 100G | QSFP28 PSM4 | parallel, 4 Lanes | 12F MTP/MPO | 8 | OS2 | 8-/12F-MTP/MPO-Direktstrecke oder 4×LC-Fanout |
| 100G | QSFP28 CWDM4 | seriell/WDM | LC-Duplex | 2 | OS2 | LC-Duplex |
| 200G/400G | QSFP-DD SR8 | parallel, 8 Lanes | 16F MTP/MPO | 16 | OM3/OM4 | 16F-MTP/MPO-Direktstrecke oder anwendungsspezifisches Fanout |
| 800G | QSFP-DD DR8 | parallel, 8 Lanes | 16F MTP/MPO | 16 | OS2 | 16F-MTP/MPO-Direktstrecke oder 2×MTP-8-Breakout gemäß Optik |
Hinweis: Reichweiten wurden bewusst nicht pauschal angegeben. Sie hängen vom Übertragungsstandard, der Faserklasse, dem konkreten Transceiver und der Gesamtdämpfung der Strecke einschließlich aller Steckverbindungen, Kassetten und Spleiße ab.
Typische Planungsfehler
- Nur Datenrate oder Formfaktor statt der vollständigen Optikvariante erfassen.
- SR4, LR4, PSM4, CWDM4 oder BiDi wegen gleicher Datenrate gleich verkabeln.
- Base-12 automatisch mit zwölf aktiv genutzten Fasern gleichsetzen.
- Male/Female mit Polarität oder Key-Orientierung verwechseln.
- Nur das Trunkkabel prüfen und Kassetten, Fanouts sowie Duplex-Flips ignorieren.
- OM3/OM4 und OS2 innerhalb eines optischen Pfads mischen.
- Zusätzliche Steckübergänge nicht in das Linkbudget aufnehmen.
- Breakout-Kabel bestellen, bevor Switch-Portmodus und FEC geklärt sind.
- Faserreserve ohne definierten Migrationspfad einkaufen.
Praxis-Checkliste für Anfrage und Bestellung
- Endgeräte und Portnummern A/B dokumentiert
- Transceiver-Hersteller und vollständige Typenbezeichnung erfasst
- Datenrate und Port-/Breakout-Modus bestätigt
- Serielle oder parallele Signalart geklärt
- Steckgesicht LC oder MTP/MPO geprüft
- Genutzte und physisch vorhandene Faserzahl unterschieden
- OS2, OM3 oder OM4 durchgängig festgelegt
- Direkt- oder Interconnect-Topologie gezeichnet
- Base-8/12/16/24 pro Segment dokumentiert
- Male/Female pro Gegenstelle geprüft
- Polaritätsmethode End-to-End dokumentiert
- Adapter-Key-Orientierungen aufgenommen
- Dämpfungsbudget mit allen Übergängen gerechnet
- Kabellängen, Reserve und Biegeradien geprüft
- Beschriftung und Mess-/Abnahmeplan festgelegt
- Zielmigration und Zeitpunkt dokumentiert
Für benachbarte Planungsthemen helfen außerdem die Ratgeber vorkonfektionierte LWL-Kabel planen, LWL-Kabel nach Fasertyp auswählen und Mindestbiegeradius bei Glasfaser berechnen.
FAQ zur MTP/MPO-Verkabelung
Ist MTP dasselbe wie MPO?
MPO bezeichnet die genormte Mehrfaser-Schnittstelle. MTP ist eine markenrechtlich geschützte, mechanisch weiterentwickelte Ausführung, die mit der entsprechenden MPO-Schnittstelle kompatibel ausgelegt ist. Bei konkreten Komponenten sind Hersteller- und Datenblattangaben zu prüfen.
Braucht 40G immer MTP/MPO?
Nein. 40G-SR4 und PLR4 arbeiten parallel und nutzen typischerweise MTP/MPO mit acht aktiven Fasern. 40G-LR4, BiDi, SWDM4 oder andere Varianten können LC-Duplex verwenden. Entscheidend ist die Optikvariante.
Warum nutzt SR4 an MTP-12 nur acht Fasern?
SR4 besitzt vier Sendelanes und vier Empfangslanes. In der 12-Faser-Ferrule bleiben die mittleren vier Positionen typischerweise ungenutzt. Eine Base-8-Infrastruktur kann diese Anwendung ohne ungenutzte Faserpositionen abbilden.
Welche Polarität ist für eine Direktverbindung richtig?
Für viele direkte 8-/16-Faser-Parallelverbindungen wird Typ B eingesetzt. Das ist keine universelle Regel: Die konkrete Portbelegung, Faserzahl und Transceiver-Variante müssen bestätigt werden; SR10-Szenarien können anders aufgebaut sein.
Kann Base-12 später für 100G verwendet werden?
Ja, etwa für 100G-SR4 oder PSM4 mit acht genutzten Fasern, wenn Steckgesicht, Fasertyp, Polarität, Qualität und Linkbudget passen. Vier Positionen eines 12F-Systems können dabei ungenutzt bleiben.
Wann ist eine Kassette sinnvoll?
Wenn ein MTP/MPO-Trunk strukturiert auf mehrere LC-Duplex-Ports umgesetzt und als wartbarer Übergabepunkt im Panel bereitgestellt werden soll. Direkte Fanouts benötigen weniger Bauteile, bieten aber einen anderen Betriebs- und Änderungsweg.
Kann ich Multimode und Singlemode über denselben MTP/MPO-Adapter führen?
Ein passiver Adapter führt Steckverbinder mechanisch zusammen, macht aber inkompatible Faser- und Optiktypen nicht kompatibel. Der komplette optische Pfad muss zur Transceiver-Spezifikation passen.
MTP/MPO-Strecke projektbezogen abstimmen
Bei Migrations- und Interconnect-Projekten prüft Abatec die Auswahl nicht isoliert pro Kabel, sondern entlang der geplanten Strecke. Senden Sie Transceiver-Liste, Topologie, Fasertyp, Portzahlen und gewünschte Übergabepunkte mit.
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