Beitragsbild: KI-generierte Illustration. Die dargestellte technische Ausführung dient der Veranschaulichung.
Glasfasern übertragen nicht nur Daten. In einem passend ausgelegten Sensorsystem können sie Veränderungen entlang einer Anlage erfassen und räumlich zuordnen. Dieser Ratgeber erklärt Messprinzipien, Verfahren, Einsatzfelder und die Fragen, die vor einem Projekt geklärt werden sollten.
Eine einzelne Sensorstrecke kann Informationen aus vielen Positionen liefern, ohne an jedem Messort ein elektrisch versorgtes Gerät zu benötigen. Das ist besonders bei langen Trassen, großen Flächen und schwer zugänglichen Bereichen interessant. Welche Messgröße tatsächlich verfügbar ist, entscheidet jedoch nicht die Glasfaser allein. Messverfahren, Sensorkabel, Einbau, Auswerteeinheit und Projektkonfiguration müssen zusammenpassen.
Was ist faseroptische Sensorik?
Faseroptische Sensorik nutzt Licht und optische Fasern, um physikalische Veränderungen zu erfassen. Ein faseroptischer Sensor wandelt eine Einwirkung wie Temperatur, Dehnung oder Vibration in eine messbare Änderung eines optischen Signals um. Je nach Aufbau ist die Glasfaser selbst das Sensorelement oder sie leitet Licht zu einem räumlich getrennten Sensorkopf und zurück.
Faseroptische Sensoren unterscheiden sich damit in Aufbau und räumlicher Wirkung. Klassische elektrische Sensoren messen meist an definierten Punkten und benötigen dort elektrische Leitungen oder lokale Elektronik. Ein optischer Sensorbereich kann dagegen passiv ausgeführt sein. Die Lichtquelle, Detektion und Signalauswertung befinden sich typischerweise in einer Auswerteeinheit. Das ist in elektromagnetisch anspruchsvollen Umgebungen vorteilhaft, ersetzt aber nicht die Prüfung von Kabelaufbau, Schutzart, Temperaturbereich und Installation.
Wie funktioniert ein faseroptischer Sensor?
Eine Auswerteeinheit koppelt Licht in die Glasfaser ein. Während sich das Licht ausbreitet, wird ein kleiner Anteil an Unregelmäßigkeiten des Glasmaterials zurückgestreut. Temperatur, Dehnung oder dynamische mechanische Einwirkungen können Intensität, Frequenz, Phase oder Laufzeit des ausgewerteten Lichts verändern. Das System vergleicht diese optischen Informationen mit seinem Messmodell und berechnet daraus ortsbezogene Messwerte oder Ereignismerkmale.
Bei zeitbereichsbasierten Verfahren ergibt sich die Position vereinfacht aus der Zeit zwischen ausgesendetem Lichtimpuls und empfangenem Rückstreusignal. Andere Systeme werten Frequenz- oder Korrelationsinformationen aus. Die Details unterscheiden sich nach Verfahren. Für die Planung wichtiger ist: Reichweite, Ortsauflösung, Messgeschwindigkeit und Signalqualität beeinflussen sich gegenseitig und müssen für die Aufgabe abgestimmt werden.
Welche Rolle spielen Rayleigh-, Raman- und Brillouin-Streuung?
Die drei Streumechanismen reagieren unterschiedlich auf Einflüsse in der Faser. Rayleigh-basierte Verfahren werden häufig für dynamische Dehnung und Vibration eingesetzt. Raman-Rückstreuung ist eine verbreitete Grundlage für verteilte Temperaturmessung. Brillouin-basierte Verfahren können Informationen zu Dehnung und Temperatur liefern. Diese Zuordnung ist eine Orientierung, keine vollständige Systembeschreibung. Die konkrete Messgröße hängt auch von Gerätearchitektur, Faser und Auswerteverfahren ab.
Punktuelle, quasi-verteilte und verteilte Sensorik
Nicht jeder Glasfasersensor misst kontinuierlich über die gesamte Faser. Die räumliche Anordnung der Messorte ist ein wesentliches Auswahlmerkmal.
| Sensorart | Messorte | Typische Ausführung | Einordnung |
|---|---|---|---|
| Punktuell | Ein definierter Ort | Fasersensor oder optischer Sensorkopf an einer konkreten Position | Gezielte Messung, wenn wenige klar bekannte Messstellen genügen |
| Quasi-verteilt | Mehrere diskrete Orte entlang einer Faser | Zum Beispiel eine Kette aus Faser-Bragg-Gittern | Viele adressierbare Messpunkte, aber keine lückenlose Messung zwischen ihnen |
| Verteilt | Kontinuierlich ausgewertete Abschnitte entlang der Faser | Rückstreubasierte Distributed Fiber Optic Sensing-Verfahren | Die Faser bildet eine lineare Sensorstrecke mit systemabhängiger Ortsauflösung |
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Bei verteilter faseroptischer Sensorik bedeutet „kontinuierlich“ nicht, dass jeder beliebig kleine Punkt unabhängig gemessen wird. Das System fasst die optische Antwort über eine endliche räumliche Länge zusammen. Wie fein Ereignisse getrennt und lokalisiert werden können, wird durch Ortsauflösung, Abtastung, Messverfahren und Signalverarbeitung bestimmt.
Welche Messgrößen lassen sich erfassen?
Vibration und akustische Ereignisse
DAS erfasst meist dynamische Dehnung beziehungsweise deren Änderung in der Faser. Daraus können vibrations- oder akustisch geprägte Muster gewonnen werden. Die Ursache wird durch Klassifikation eingeordnet, nicht direkt „gehört“ wie mit einem Mikrofon.
Temperatur
DTS liefert ein Temperaturprofil entlang der Sensorstrecke. Lokale Erwärmung, Abkühlung oder räumliche Verläufe können dadurch sichtbar werden.
Dehnung
DSS erfasst ortsabhängige Längenänderungen der Faser. Eine geeignete mechanische Kopplung ist entscheidend, wenn daraus Veränderungen einer Struktur abgeleitet werden sollen.
Druck und indirekte Ereignisse
Druck ist nur mit einem dafür vorgesehenen Sensoraufbau oder Übertragungselement sinnvoll erfassbar. Leckagen, Grabungen oder Manipulationen sind häufig indirekte Ereignisse, die aus thermischen, akustischen oder mechanischen Mustern klassifiziert werden.
Die gleiche Faser kann je nach System prinzipiell für unterschiedliche optische Auswertungen dienen. Daraus folgt aber keine automatische Mehrgrößenmessung. Sensorkabel, Faserbelegung, Kopplung, Interrogator und Software müssen die jeweilige Messaufgabe unterstützen.
DAS, DTS, DSS und DTGS im Vergleich
| Verfahren | Typische Messgröße | Typische Ereignisse oder Anwendungen | Wichtiger Hinweis |
|---|---|---|---|
| DAS Distributed Acoustic Sensing | Dynamische Dehnung, Vibrationen und akustisch verursachte mechanische Einwirkungen | Schritte, Fahrzeuge, Grabungen, Zaunereignisse, Trassen- und Maschinenaktivität | DAS misst nicht automatisch die Ursache. Ereignisklassen müssen zur Installation und Umgebung passen. |
| DTS Distributed Temperature Sensing | Temperatur und Temperaturprofil entlang der Faser | Hotspots, thermische Belastung, Brand- und Leckagehinweise, Kabel- und Tunnelüberwachung | Das Sensorkabel muss thermisch geeignet gekoppelt und für die Umgebungsbedingungen ausgelegt sein. |
| DSS Distributed Strain Sensing | Statische oder langsam veränderliche Dehnung, abhängig vom Verfahren | Structural Health Monitoring, Setzungen, Verformungen, geotechnische Veränderungen | Temperatur- und Dehnungseinflüsse können gekoppelt sein. Kompensation und Referenzierung sind Teil der Projektierung. |
| DTGS FOTAS: Distributed Thermal Gradient Sensing | Thermische Trends, Änderungsraten und Gradienten auf Basis ortsbezogener Temperaturinformationen | Auffällige thermische Verläufe an Energiekabeln, Pipelines, Speichern oder Verbindungen | DTGS wird hier entsprechend der FOTAS-Terminologie verwendet und nicht als überall einheitlich definierter Industriestandard dargestellt. |
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Vertiefende Informationen bietet Abatec auf den Shopseiten zu Distributed Acoustic Sensing und zur FOTAS-DTGS-Technologie. Dort stehen die jeweilige Technologie und konkrete Systemausführungen im Vordergrund.
Vorteile faseroptischer Sensoren
- Viele ortsbezogene Informationen: Verteilte Verfahren bilden zahlreiche virtuelle Messbereiche entlang einer Faser.
- Überwachung längerer Strecken: Lineare Anlagen und große Areale können von einer zentralen Auswerteeinheit aus betrachtet werden.
- Passive Sensorstrecke: Entlang der Faser sind nicht an jedem Messort elektrische Sensorgeräte erforderlich.
- Elektromagnetische Verträglichkeit: Die optische Faser selbst ist unempfindlich gegenüber elektromagnetischen Störfeldern.
- Zugang zu schwierigen Bereichen: Eine Faser kann entlang von Tunneln, Trassen, Zäunen oder in Strukturen geführt werden.
- Vorhandene Infrastruktur als Option: Freie Fasern können unter bestimmten technischen Voraussetzungen genutzt werden.
Diese Vorteile gelten nicht pauschal für jede Faser und jede Anwendung. Die erreichbare Aussagequalität hängt wesentlich davon ab, wie das Sensorkabel mit dem überwachten Objekt oder Umfeld gekoppelt ist.
Grenzen und Voraussetzungen
Faseroptische Sensortechnik benötigt eine sorgfältige Projektierung. Eine hohe Empfindlichkeit allein ist kein Qualitätsnachweis. Entscheidend ist, ob relevante Ereignisse unter realen Umgebungsbedingungen von Hintergrundsignalen unterschieden werden können.
- Faser und Kabelaufbau: Faserart, Mantel, Bewehrung und Temperatureignung müssen zum Messverfahren und Einbauort passen.
- Mechanische oder thermische Kopplung: Vibration, Dehnung oder Temperatur müssen die Faser in definierter Weise erreichen.
- Streckenführung: Schleifen, Abzweige, Reserveablagen und nicht gekoppelte Abschnitte beeinflussen die räumliche Zuordnung.
- Dämpfung und Verbindungsstellen: Faserlänge, Stecker, Spleiße und Verluste bestimmen den verfügbaren optischen Signalhaushalt.
- Ortsauflösung und Reaktionszeit: Beide sind passend zum Ereignis und zur Größe der zu überwachenden Zone festzulegen.
- Umgebung: Verkehr, Maschinen, Wind, Niederschlag oder wechselnde Lasten können relevante und irrelevante Signale erzeugen.
- Kalibrierung und Klassifikation: Alarmregeln oder Ereignismodelle müssen am Projekt validiert und bei Bedarf nachgeführt werden.
- Systemintegration: Schnittstellen, Alarmzonen, Zeitstempel, Datenhaltung und Reaktionsprozesse sind vorab zu definieren.
Typische Anwendungen faseroptischer Sensorik
Perimeterschutz und Industrieflächen
Entlang von Zäunen oder erdverlegten Sensorstrecken kann DAS mechanische Aktivitäten räumlich erfassen. Ob ein Signal als Klettern, Schneiden, Schritt oder Fahrzeug eingeordnet wird, muss für Zauntyp, Untergrund und Umgebung trainiert beziehungsweise parametriert werden.
Pipelines, Leitungstrassen und Leckageerkennung
Akustische, thermische oder mechanische Veränderungen können Hinweise auf Grabungsaktivität, Strömungsereignisse oder austretende Medien liefern. Leckageerkennung ist deshalb keine einzelne universelle Messfunktion. Medium, Rohr, Sensorlage und Auswerteverfahren bestimmen, welches physikalische Anzeichen nutzbar ist.
Energieanlagen und Freiflächen-PV
Faseroptische Temperaturmessung kann thermische Profile an Kabeln, Verbindungen oder linearen Energieanlagen beobachten. Für Freiflächen-PV kann DAS zusätzlich für Perimeter- und Trassenereignisse relevant sein. Der konkrete Nutzen hängt von Leitungsführung, Gelände, Sicherheitskonzept und vorhandenen Fasern ab.
Tunnel, Bahn und Verkehrsinfrastruktur
Verteilte Temperatur- und Vibrationsdaten können lange Bauwerke und Verkehrswege ergänzend überwachen. Die Trennung von Regelbetrieb, Umwelteinflüssen und auffälligen Ereignissen ist dabei ein wesentlicher Teil der Auslegung.
Structural Health Monitoring
Bei Bauwerken und geotechnischen Strukturen kann verteilte Dehnungsmessung Veränderungen entlang größerer Bereiche sichtbar machen. Damit die Messung die Strukturbewegung abbildet, sind Kabelwahl, Befestigung, Einbettung, Referenzzustand und Temperaturkompensation zu planen.
Rechenzentren
Ein fachlich konkreter Einsatz ist die lineare Temperaturüberwachung an Energieverteilung, Stromschienen oder Kabelwegen. Auch Perimeterbereiche können faseroptisch ergänzt werden. Die Technologie ist damit keine pauschale Sensorlösung für alle Betriebsdaten eines Rechenzentrums.
Kann eine vorhandene Glasfaser als Sensor genutzt werden?
Grundsätzlich kann das teilweise möglich sein, besonders bei geeigneter, frei verfügbarer Singlemode-Faser. Eine pauschale Zusage wäre jedoch technisch nicht seriös. Zuerst muss geklärt werden, ob die Faser dort verläuft, wo das Ereignis auf die Faser einwirken soll, und ob Kabelaufbau sowie Kopplung die gewünschte Messgröße übertragen.
Zusätzlich sind Belegung, Zugänglichkeit der Faserenden, Spleißplan, Steckverbindungen, Dämpfung, Streckenlänge, Reserveablagen und mögliche Unterbrechungen zu prüfen. Eine Telekommunikationsfaser kann optisch erreichbar sein und trotzdem für die gewünschte Sensoraufgabe ungünstig liegen. Ob eine parallele Nutzung möglich ist, hängt vom konkreten System und Netzdesign ab.
Für die projektbezogene Prüfung und Einbindung in Sicherheits- oder Leitsysteme ist die Abatec-Lösungsseite zum faseroptischen Monitoring für kritische Infrastruktur der passende nächste Einstieg.
Welche Technologie passt zur Aufgabe?
- Messziel festlegen: Sollen dynamische Ereignisse, Temperatur, Dehnung oder thermische Trends erfasst werden?
- Ereignis beschreiben: Wie sieht ein relevanter Zustand aus, und welche Störquellen treten im Normalbetrieb auf?
- Strecke und Ortsauflösung bestimmen: Welche Länge ist zu erfassen, und wie genau muss ein Ereignis lokalisiert werden?
- Faserweg prüfen: Ist eine geeignete Faser vorhanden, frei und am Messobjekt ausreichend gekoppelt?
- Umgebung und Einbau planen: Temperatur, Feuchte, Mechanik, elektromagnetisches Umfeld und Zugänglichkeit berücksichtigen.
- Datenweitergabe definieren: Soll das Ergebnis angezeigt, protokolliert oder als Alarm an SCADA, Leitstelle oder Sicherheitssystem übergeben werden?
- Validierung vorsehen: Referenzmessungen, Alarmtests, Kalibrierung und Abnahmekriterien in die Projektplanung aufnehmen.
Eine Übersicht der angebotenen akustischen und thermischen Systemfamilien finden Sie unter FOTAS-Sensortechnik im Abatec Shop. Konkrete Systemseiten wie das FOTAS D-50 DAS-System, das FOTAS DTS CH4 Temperatursensorsystem und das FOTAS DTGS DCH Temperaturgradientensystem zeigen verfügbare Ausführungen. Die passende Auswahl bleibt projektabhängig.
Häufige Fragen zur faseroptischen Sensorik
Was ist ein faseroptischer Sensor?
Ein faseroptischer Sensor nutzt Licht, um eine physikalische Einwirkung messbar zu machen. Die Glasfaser kann selbst das Sensorelement sein oder Licht zu einem separaten Sensorkopf übertragen.
Wie funktioniert faseroptische Sensorik?
Eine Auswerteeinheit sendet Licht in die Faser und analysiert zurückkommendes oder übertragenes Licht. Änderungen von Intensität, Frequenz, Phase oder Laufzeit werden je nach Verfahren Temperatur, Dehnung oder dynamischen Einwirkungen zugeordnet.
Was ist verteilte faseroptische Sensorik?
Bei Distributed Fiber Optic Sensing, kurz DFOS, wird die Faser über ihre Länge als lineare Sensorstrecke ausgewertet. Messwerte oder Ereignisse lassen sich mit systemabhängiger Ortsauflösung einer Position zuordnen.
Kann ein vorhandenes Glasfaserkabel als Sensor genutzt werden?
Teilweise ja. Erforderlich sind unter anderem eine geeignete freie Faser, passende Streckenführung und Kopplung, ausreichender optischer Signalhaushalt sowie Zugang zur Faser. Eine technische Prüfung ist notwendig.
Was ist der Unterschied zwischen DAS und DTS?
DAS betrachtet dynamische mechanische und akustisch geprägte Einwirkungen auf die Faser. DTS ermittelt Temperaturwerte und Temperaturprofile entlang der Faser.
Welche Reichweite haben faseroptische Sensorsysteme?
Es gibt keinen allgemeingültigen Wert. Reichweite und Ortsauflösung hängen von Verfahren, Gerät, Faser, Dämpfung, Verbindungsstellen, Messgeschwindigkeit und geforderter Signalqualität ab. Maßgeblich sind das konkrete Systemdatenblatt und die Projektprüfung.
Welche Ereignisse kann DAS erkennen?
DAS kann Signalmuster aus Vibrationen und dynamischer Dehnung erfassen. Je nach Installation und Klassifikation können daraus zum Beispiel Schritte, Fahrzeuge, Grabungen oder Zaunmanipulationen abgeleitet werden.
Für welche Anlagen eignet sich faseroptisches Monitoring?
Typisch sind lange oder flächige Anlagen wie Zäune, Pipelines, Kabeltrassen, Tunnel, Bahnwege, Energieanlagen und größere Strukturen. Die Eignung hängt vom Messziel und der technischen Kopplung ab.
