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3 September, 2026

OM3 oder OM4? Multimode-Fasern richtig auswählen

OM3 kann für kurze, klar definierte Multimode-Strecken ausreichen. OM4 bietet mehr Reichweitenreserve. Entscheidend sind Ethernet-Standard, Transceiver und der gesamte Kanal.

Kurz gesagt: OM3 reicht häufig für bestehende, kurze und klar definierte Multimode-Strecken aus. OM4 bietet durch seine höhere effektive modale Bandbreite mehr Reichweitenreserve, etwa bei 10GBASE-SR, 40GBASE-SR4 und 100GBASE-SR4. Entscheidend sind jedoch der konkrete Ethernet-PHY, der Transceiver und der gesamte Übertragungskanal – nicht die Faserbezeichnung allein.

OM3 oder OM4: Die kurze Entscheidung

Wer eine vorhandene 10-Gigabit-Strecke von deutlich unter 300 Metern erweitert und bereits eine dokumentierte OM3-Infrastruktur betreibt, kann OM3 sinnvoll weiterverwenden. Bei einer neuen Multimode-Verkabelung, enger Reichweitenplanung oder absehbaren 40G- beziehungsweise 100G-Anwendungen bietet OM4 mehr Reserve.

Das macht OM4 nicht pauschal „schneller“. Beide Fasertypen können dieselben Ethernet-Datenraten übertragen, sofern Strecke, Optik und Kanal die Anforderungen des jeweiligen Standards erfüllen. OM4 erlaubt wegen ihrer höheren modalen Bandbreite bei bestimmten Übertragungsverfahren längere Links. Für größere Entfernungen oder langfristig stark steigende Datenraten sollte zusätzlich eine OS2-Singlemode-Lösung geprüft werden.

Was bedeuten OM3 und OM4?

OM steht für „Optical Multimode“. OM3 und OM4 bezeichnen Kategorien laseroptimierter Gradientenindex-Multimodefasern. Beide besitzen einen Faserkern von 50 µm und einen Manteldurchmesser von 125 µm. Sie sind vor allem für kurzwellige optische Übertragung mit VCSEL-Lichtquellen um 850 nm ausgelegt.

Die gemeinsame Geometrie macht passende OM3- und OM4-Komponenten mechanisch verbindbar. Der wesentliche Leistungsunterschied liegt in der spezifizierten effektiven modalen Bandbreite bei 850 nm: mindestens 2.000 MHz·km bei OM3 und 4.700 MHz·km bei OM4.

OM3 und OM4 im direkten Vergleich

KriteriumOM3OM4
Faserartlaseroptimierte Multimodefaserlaseroptimierte Multimodefaser
Kern / Mantel50 / 125 µm50 / 125 µm
Typische Wellenlänge850 nm850 nm
Minimale effektive modale Bandbreite bei 850 nm2.000 MHz·km4.700 MHz·km
Typische Einsatzbereichebestehende LANs, Technikräume, kurze 10G-Streckenneue Multimode-Strecken, Rechenzentren, Links mit höherer Reichweitenreserve
10GBASE-SRbis 300 mbis 400 m
40GBASE-SR4bis 100 mbis 150 m
100GBASE-SR4bis 70 mbis 100 m
Investitionssichtsinnvoll bei passendem Bestand und klarer Anforderunghöhere passive Anfangsinvestition möglich; kann Reserven und spätere Umbauten reduzieren
EignungBestand gezielt ergänzenbei neuer Multimode-Planung häufig vorzuziehen, aber gegen OS2 und aktive Technik abgleichen

Wichtig: Die Reichweiten gelten ausschließlich für die bezeichneten Ethernet-PHYs und nur bei eingehaltenen Kanalgrenzwerten. Für 1 Gigabit, andere 40G-/100G-Optiken oder herstellerspezifische Extended-Reach-Module gelten andere Werte.

Reichweiten nach Ethernet-Standard

1 Gigabit: 1000BASE-SX

Serielle Übertragung bei etwa 850 nm über zwei Fasern. Der klassische IEEE-konforme Wert für 50/125-µm-Multimode beträgt bis zu 550 m. Einzelne Transceiver weisen auf OM3/OM4 bis zu 1.000 m aus; dafür ist das konkrete Datenblatt maßgeblich.

10 Gigabit: 10GBASE-SR

Seriell und üblicherweise mit LC-Duplex: bis 300 m auf OM3 und bis 400 m auf OM4. 550 m auf OM4 dürfen nur mit ausdrücklich ausgewiesenem Transceiver- und Verkabelungssystem angesetzt werden.

40 Gigabit: 40GBASE-SR4

Vier optische Lanes je Richtung, acht aktive Fasern und meist MPO/MTP: bis 100 m über OM3 und 150 m über OM4. Duplex-LC-BiDi- oder SWDM-Optiken besitzen eigene Anforderungen.

100 Gigabit: PHY genau benennen

100GBASE-SR4: 70 m auf OM3 und 100 m auf OM4 bei acht aktiven Fasern. Das ältere 100GBASE-SR10 erreicht 100/150 m, benötigt aber 20 aktive Fasern. Beide PHYs dürfen nicht zusammengefasst werden.

Warum OM4 mehr Reichweitenreserve bietet

In einer Multimodefaser breitet sich Licht über mehrere Moden aus. Diese Lichtwege treffen nicht exakt gleichzeitig am Empfänger ein. Der zeitliche Versatz verbreitert die Signalimpulse und begrenzt die übertragbare Datenrate über eine bestimmte Entfernung. Dieser Effekt heißt Modendispersion.

Die effektive modale Bandbreite beschreibt, wie gut eine laseroptimierte Faser diesen Effekt bei definierter Anregung beherrscht. OM4 ist mit mindestens 4.700 MHz·km höher spezifiziert als OM3 mit 2.000 MHz·km. Daraus entsteht bei bestimmten Ethernet-PHYs eine größere zulässige Länge oder mehr Planungsreserve. Die Datenrate selbst wird aber vom aktiven Übertragungssystem festgelegt – nicht vom passiven Kabel.

Welche Faser passt zu welcher Anwendung?

SzenarioOrientierungVor der Festlegung prüfen
Bestehendes 10G-Netz, kurze dokumentierte StreckeOM3 kann ausreichenGesamtlänge, 10GBASE-SR-Optiken, Dämpfung, vorhandene OM-Klasse
Neue Gebäudeverkabelung innerhalb klarer Multimode-DistanzenOM4 häufig sinnvollNutzungsdauer, spätere Datenraten, Preisabstand, Alternative OS2
RechenzentrumOM4 bietet ReservePortdichte, Duplex oder parallel, Migrationspfad, Faserzahl
40GBASE-SR4OM3 bis 100 m, OM4 bis 150 mMPO/MTP-Polarität, acht aktive Fasern, Steckübergänge
100GBASE-SR4OM3 bis 70 m, OM4 bis 100 mTransceiver-PHY, MPO/MTP, Faserzahl und Linkbudget
Vorhandene OM3-Infrastruktur erweiternOM3 kann konsistent und wirtschaftlich seinZiel-PHY, Restreserve, Dokumentation; gemischte Abschnitte prüfen
Zukünftige Anforderungen unklarOM4 und OS2 vergleichend planenaktive Optikkosten, Reichweite, Lebensdauer, Erweiterungsstrategie
Größere Entfernung oder Gebäude-BackboneOS2 prüfenTransceiver, Dämpfungsbudget, Steckerschliff, Betriebskonzept

Welche Rolle spielen LC, SC, MTP und MPO?

LC und SC sind Steckverbinder für einzelne Fasern. Für Ethernet werden sie häufig als Duplexpaar eingesetzt: eine Faser sendet, die andere empfängt. LC-Duplex ist an vielen SFP- und SFP+-Transceivern üblich; SC findet sich häufiger in bestehenden Verteilern oder älteren Installationen. Gemischte LC-SC-Patchkabel können unterschiedliche Schnittstellen überbrücken, ändern aber nicht den Fasertyp.

MPO ist die genormte Mehrfaser-Steckverbinderbauform; MTP ist eine Markenvariante dieser Bauform. Sie bündelt mehrere Fasern in einer Ferrule und ist bei parallelen SR4-Verbindungen relevant. Neben der Faserklasse müssen Faserzahl, Keying, Male/Female-Ausführung und Polarität Ende zu Ende stimmen. Der ausführliche Ratgeber zur Planung von MTP/MPO-Verkabelungen erläutert diese Punkte im Detail.

Kann man OM3 und OM4 verbinden oder mischen?

Ja, passende OM3- und OM4-Komponenten lassen sich physisch verbinden, weil beide 50/125-µm-Multimodefasern sind. Das bedeutet jedoch nicht, dass ein gemischter Kanal automatisch die Reichweite einer durchgängigen OM4-Strecke erreicht.

Für die technische Bewertung zählt der gesamte Kanal:

  • Länge und Bandbreiteneigenschaften jedes Fasersegments;
  • vollständiger Ethernet-PHY und konkreter Transceiver;
  • Zahl und Einfügedämpfung der Steckübergänge;
  • Spleißdämpfung und Qualität der Faserübergänge;
  • Faserzahl, Belegung und Polarität bei paralleler Optik;
  • vorhandene Mess- und Abnahmedokumentation.

Ein kurzes OM3-Patchkabel in einer überwiegend aus OM4 bestehenden Strecke ist nicht dasselbe wie ein OM3-Link an seiner maximalen Reichweite. Ohne qualifizierte Kanalberechnung und Prüfung darf die gemischte Strecke aber nicht als OM4-Kanal behandelt werden. Für neue Installationen sind durchgängige Faserklassen einfacher zu dokumentieren, zu testen und später zu betreiben.

Wie lassen sich OM3 und OM4 erkennen?

Die Mantelfarbe bietet nur eine erste Orientierung. OM3 ist häufig aqua. OM4 kann ebenfalls aqua oder erika-violett ausgeführt sein. Hersteller, projektspezifische Farbsysteme, Außenkabel und Sondermäntel können davon abweichen.

  1. Aufdruck auf Kabel und Patchkabel prüfen, insbesondere „OM3“ oder „OM4“ und „50/125“.
  2. Hersteller- und Artikelnummer mit dem Datenblatt abgleichen.
  3. Beschriftung von Patchfeld, Spleißbox und Verlegeplan heranziehen.
  4. Abnahme- und Messprotokolle der installierten Strecke prüfen.

Fehlt die Dokumentation, sollte die Faserklasse nicht allein aus Farbe oder Steckergehäuse abgeleitet werden. Eine einfache Dämpfungsmessung identifiziert außerdem nicht automatisch die modale Bandbreitenklasse.

Wann sollte OS2 statt OM3 oder OM4 geprüft werden?

OS2 ist eine Singlemode-Faser mit deutlich kleinerem Kern und anderer aktiver Optik. Sie ist keine direkt austauschbare OM3-/OM4-Variante. Eine OS2-Planung ist besonders sinnvoll bei größeren Entfernungen, Gebäude- oder Campusverbindungen, langfristig steigenden Datenraten und dort, wo spätere Multimode-Reichweitengrenzen vermieden werden sollen.

In die Investitionsbetrachtung gehören nicht nur Kabelpreise. Zu vergleichen sind auch Transceiver, Patch- und Verteilertechnik, Installationsaufwand, Messkonzept, Reserven, erwartete Änderungen und Nutzungsdauer. Der Überblick „LWL-Kabel auswählen: Singlemode, Multimode, OM3, OM4 oder OS2?“ hilft bei dieser Grundsatzentscheidung.

OM5 ist eine weitere 50/125-µm-Multimodeklasse für breitbandige Mehrwellenlängenübertragung. Sie ist nicht automatisch ein Ersatz für OM4 und sollte nur bei einem dazu passenden Übertragungskonzept betrachtet werden.

Welche Angaben benötigt abatec für Auswahl oder Konfektion?

Für eine Produktempfehlung oder individuelle LWL-Kabelkonfektion helfen möglichst konkrete Angaben:

  • Anwendung und vollständiger Ethernet-Standard beziehungsweise Transceiver-Typ;
  • vorhandene und gewünschte Faserklasse;
  • gesamte Kanallänge und einzelne Teilstrecken;
  • Faserzahl, serieller oder paralleler Übertragungsweg;
  • Stecker an beiden Enden, Schliff und Kupplungstyp;
  • Zahl der Patchpunkte und Spleiße;
  • Belegung und Polarität bei MPO/MTP;
  • Kabelaufbau, Einsatzumgebung und Brandschutzanforderung;
  • Stückzahl, Kennzeichnung und vorhandene Messprotokolle.

Standardisierte Verbindungen finden Sie bei den OM3-Patchkabeln und OM4-Patchkabeln. Für mehrfaserige Installationswege stehen vorkonfektionierte LWL-Kabel sowie Komponenten für LWL-Baugruppen und Spleißboxen zur Auswahl.

Fazit: Bestand, Ziel-PHY und Lebensdauer gemeinsam bewerten

OM3 ist für viele kurze, bestehende und klar definierte Multimode-Verbindungen technisch ausreichend. OM4 bietet durch 4.700 statt 2.000 MHz·km effektive modale Bandbreite mehr Reichweitenreserve und ist bei neuen Multimode-Strecken, 40G-/100G-Planungen oder langen Nutzungszeiträumen häufig sinnvoll.

Die Auswahl darf dennoch nicht bei „OM3 oder OM4“ enden. Erst Ethernet-PHY, Transceiver, Streckenlänge, Steckverbinder, Spleiße, Faserzahl und Linkbudget ergeben eine prüfbare Verbindung. Bei größerer Entfernung oder langfristig offenen Anforderungen gehört OS2 in den Vergleich.

Häufige Fragen zu OM3 und OM4

Ist OM4 mit OM3 kompatibel?

OM3 und OM4 besitzen beide 50/125 µm und können mit passenden Steckern mechanisch verbunden werden. Ob die Verbindung den gewünschten Ethernet-PHY erfüllt, muss jedoch für den gesamten Kanal geprüft werden. Eine gemischte Strecke hat nicht automatisch die Reichweite einer durchgängigen OM4-Verbindung.

Kann man OM3 und OM4 mischen?

Technisch ist das möglich, für neue Strecken aber meist nicht die sauberste Planung. Segmentlängen, Steck- und Spleißverluste, Transceiver und modale Bandbreite wirken gemeinsam. Gemischte Strecken sollten dokumentiert, gegen das Linkbudget gerechnet und passend gemessen werden.

Ist OM4 schneller als OM3?

Nein, die Faser legt nicht allein die Datenrate fest. OM4 besitzt mit mindestens 4.700 MHz·km eine höhere effektive modale Bandbreite als OM3 mit 2.000 MHz·km. Dadurch unterstützt OM4 bei bestimmten Ethernet-PHYs eine größere Reichweite oder mehr Reserve.

Welche Reichweite hat OM3 bei 10 Gigabit?

Für 10GBASE-SR beträgt der standardbezogene Maximalwert 300 m über OM3. Voraussetzung sind passende 850-nm-Transceiver und ein Kanal, der alle Grenzwerte für Dämpfung und Übertragung erfüllt.

Welche Reichweite hat OM4 bei 40 oder 100 Gigabit?

40GBASE-SR4 erreicht bis zu 150 m über OM4. 100GBASE-SR4 erreicht bis zu 100 m; das ältere 100GBASE-SR10 bis zu 150 m. Die PHYs verwenden unterschiedliche Lane-Zahlen und dürfen nicht zusammengefasst werden.

Wie erkennt man OM3 und OM4?

Die Mantelfarbe ist nur ein Hinweis: Beide können aqua sein, OM4 kommt auch in erika-violett vor. Sicherer sind Kabelaufdruck, Artikelnummer und Datenblatt sowie die Dokumentation des Patchfelds und der Abnahme.

Ist OM4 bei einer Neuinstallation immer die bessere Wahl?

Nein. OM4 bietet innerhalb von Multimode mehr Reserve, kann aber unnötig sein, wenn eine kurze, dauerhaft klar definierte OM3-Anwendung vorliegt. Bei langer Nutzungsdauer, größeren Entfernungen oder offenen Datenraten sollte zusätzlich OS2 mitbetrachtet werden.

Wann ist OS2 statt Multimode sinnvoll?

OS2 sollte bei langen Strecken, Gebäude- und Campusverbindungen sowie langfristig stark steigenden Datenraten geprüft werden. Entscheidend ist ein Gesamtvergleich aus passiver Verkabelung, Transceivern, Verteilertechnik, Messaufwand und geplantem Lebenszyklus.

Technische Quellen

Grundlagen und Werte wurden unter anderem mit IEC 60793-2-10, dem Corning-Datenblatt zu OM3/OM4 sowie den Cisco-Datenblättern für Gigabit Ethernet und 1000BASE-SX, 10GBASE-SR, 40GBASE-SR4 und 100GBASE-SR4/SR10 sowie IEEE-802.3-Unterlagen abgeglichen. Maßgeblich für ein konkretes Projekt bleiben die aktuellen Normausgaben und Transceiver-Datenblätter.